Thekengeflüster

„Siehst aus, als hätt´s Schweinepopel auf´n Mittagstisch gegeben.“

„Und du hältst dich wohl für Dwayne Johnson.“

„Hab halt ´nen kräftigen Flügel.“

„Gibt´s draußen nicht noch´n Gully, aus dem´s nicht so nach Affenscheiße stinkt?“

Hen und Jock hatten einander noch nie gesehen. Aber sie redeten miteinander, als wären sie alte Bekannte. Freunde sogar. Es war selten, dass Jock sein Herz so nach außen kehrte. Und auch für Hen war es eine Premiere. Selten hatte er einen Anderen auf Anhieb so sehr ins Herz geschlossen. Es war einfach toll und das sogar für beide.

Jock füllte Hen den Becher noch einmal ganz an. Dann spie er neben den Hocker seines Gegenübers, das eigentlich neben ihm saß. Sie lungerten an der schweren Eisentheke und feuerten mit hohlen Augen Löcher in die Atmosphäre.

„Hast du ´ne Leiche gefressen?“

„Danke. Du riechst auch nicht nach Veilchen.“

Die Zuneigung zwischen den Männern war beinahe so fest wie ein zu lange gebackener Apfelkuchen. Es lag förmlich in der Luft, dass Hen und Jock sich gut leiden konnten.

Gleichzeitig nippten die Männer an ihren Bechern. Hen rülpste und Jock furzte. Die beiden liefen im Einklang.

Der Stundenzeiger auf der Uhr lief schneller als ein Panther in der afrikanischen Steppe. Hen und Jock leerten einen Becher nach dem anderen. Jock hatte es ein wenig mit der Lunge und spuckte oft Schleim auf den Boden. Hen quittierte das jedes Mal mit einem ungläubigen Kopfschütteln.

Nach einer Weile des gemütlichen Beisammenhockens, zog Hen schließlich ein improvisiertes Messer. Er hatte es sich aus einem Stück Seife geschnitzt. Nicht eine Scheibe Brot hätte er damit vom Laib schneiden können, so stumpf war es. Aber es war spitz genug, um Jock vom Stuhl zu befördern, als Hen es seinem Kumpel zwischen die Rippen trieb.

„Ich sehe, wie das Steak langsam abkühlt und die Würmer sich darüber hermachen“, hauchte Jock.

Hen sitzt jetzt wieder in seiner Zelle.

Und noch ein Mal lebenslänglich mehr.

 

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