Im Anfang und im Ende einer Karriere

„Ich war…“

Das ist schlecht. War ist schlecht, weil war ist schwach. Das nehme ich lieber nicht.

„Ich sann auf…“

Zu geschwollen. Klingt vielleicht besser, aber das will ich nicht. Ich will nicht, dass die Menschen glauben, ich hätte einen Knödel auf dem Kopf. Ich muss mir was Anderes überlegen.

„Mir war als…“

Mal ehrlich: Bin ich Rosamunde Pilcher? Tut mir leid, aber das geht nicht. So kann ich es einfach nicht angehen. So beginnt kein Roman. Und schon gar kein Bestseller. Und mein Roman wird nicht nur ein Roman. Mein Roman wird ein Bestseller. Mir stehen Tür und Tor offen. Die Welt beugt sich vor mir aufs Knie. Und das quittiert man nicht mit einem „Mir war als…“

Weg damit!

„Es hatte den Anschein…“

Ha, ich bin doch kein Trottel. Da kann ich ja gleich mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ anfangen. Also nein, so geht das gar nicht. Aber auf keinen Fall.

„Es schien, als wäre es gut möglich…“

Aber das ist doch kein Stil. Ich nehme nicht an, ich behaupte. Ich darf nicht scheinen, es muss sein. Ein Autor muss Eier haben. Er nimmt nicht an und er vermutet nicht. Er weiß.

Ich muss einen Einstieg finden. Der Beginn muss genial sein, der Anfang muss in den Bann ziehen. Sonst ist es Essig mit dem Roman und vom Bestseller brauch ich nicht zu träumen.

Dabei bin ich doch Autor.

Aber bin ich Autor? Bin ich tatsächlich ein Autor?

Nein. Ich bin ein Niemand. Ein Nichts, das gerne den Schriftsteller spielt. Ich bin zu nichts zu gebrauchen. Es wird keinen Roman geben und schon gar keinen Bestseller. Aber gut – probiert hab ich´s…

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