Der Sonntagsblues

Folglich war der Nachmittag eine ganze Menge ungemütlicher für Hans als sein Morgen. Hans hatte Müsli zum Frühstück. Mit Schokostückchen und Kokosmilch und Waldhonig wie Frühlingstautropfen. Und als er diesen erfrischenden Leckerbissen zu sich genommen hatte, ging es ihm wie einem Küken, das frisch aus dem Kalk geschlüpft war. Jung, fidel und froh. Er tat dieses und nahm sich jenes vor. Er schmiedete Pläne, putzte lustig und vergnügt Klo und Badewanne und hörte die Morgensendungen im Radio. Der Vormittag verlief so freudig, dass sich Hans gar nicht mehr daran erinnern konnte, wann er zum letzten Mal eine derart gute Phase verlebt hatte. Doch dann war es Zeit, das Mittagsmahl einzunehmen. Es gab Knödel mit Sauerkraut. Sehr fettig, sehr deftig, sehr hart. Und jäh änderte sich die Lage. Hans überfraß sich hoffnungslos. Vier Knödel und drei Portionen Kraut kampierten wie wie die Titanic auf dem Grund des Atlantiks in seinem Magen. Er mochte es gar nicht aussprechen, aber es ging ihm übell. Der Tag war jäh wie ein brauner Streifen in der Unterhose und so lieblos wie ein Song aus der Konserve. Alles war zum Kotzen. Nichts funktionierte mehr. Das Bad war dreckig, das Klo stank, er lebte im Chaos und die Mittagsnachrichten im Radio zogen Hans am Nerv. Am liebsten wäre er gestorben. Es war mit einem Mal ganz anders und der Nachmittag eine astreine Tortur. Doch Hoffnung zog wie der Schimmer von Morgentau am Horizont auf. Eine Chance zeigte sich. Wie eine überladene Tupolev, rappelte sich Hans vom Sofa hoch. Mit eisernem Willen zog er es durch. Was blieb einem übrig, wenn der Ruf der Pflicht erschallt? Hans zog sich Unterhemd und Feinrippunterhose zurecht und machte sich auf den Weg zum Topf.

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